Wer zeltet oder wandert, hat vieles im Schrank, was andere erst kaufen müssten, und hat es vor allem schon benutzt. Was davon im Ernstfall trägt, wo es gefährlich wird und welche vier Dinge trotzdem fehlen.
Kurz gesagt
- Der größte Vorsprung von Campern und Wanderern ist die Übung mit der eigenen Ausrüstung.
- Schlafsack, warme Kleidung, Stirnlampe und Erste-Hilfe-Set kannst du direkt weiterverwenden.
- Der Campingkocher mit Kartusche gehört auch im Ernstfall nach draußen. Heize nie damit.
- Meist fehlen Wasservorrat, Essen für mehrere Tage, ein Radio und Absprachen auf Papier.
- Ein üblicher Wasserfilter ersetzt keinen Vorrat, denn er hält weder Viren noch Chemikalien zurück.
Nach dem großen Stromausfall im Berliner Südwesten im Januar 2026 hat die Akademie der Katastrophenforschungsstelle Betroffene befragt, und in dem Bericht steht eine Beobachtung, die jeden Camper freuen dürfte. Manche waren eher zufällig vorbereitet, etwa weil sie eine Campingausrüstung besaßen. Vorsorge durch Hobby also, ganz ohne Kellerregal und Plan.
Derselbe Bericht zeigt aber auch die andere Seite. Eine Person hatte einen Gas-Campingkocher im Haus und fand den Anschluss nicht. Eine andere schrieb, sie wisse nicht, wie man mit einem Campingkocher umgeht. Die Forschenden merken trocken an, dass vorrätig haben nicht heißt, dass etwas funktioniert. Damit ist der Vorteil von Menschen, die gern draußen sind, ziemlich genau beschrieben.
Der Vorsprung liegt in der Übung
Ausrüstung kann man kaufen, Gewohnheit nicht. Wer regelmäßig zeltet oder mehrere Tage wandert, weiß, wie sich ein Abend ohne Steckdose anfühlt, wie lange eine Stirnlampe hält und dass man auch ohne Dusche ein zivilisierter Mensch bleibt. Ich schlafe selbst gern im Dachzelt und halte das für den eigentlichen Wert der Sache: Der Kocher liegt nicht original verpackt im Schrank, die Batterien sind nicht seit 2019 tot, und niemand muss im Dunkeln die Anleitung suchen.
Dazu kommt etwas, das schwerer zu messen ist. Wer gelernt hat, mit wenig klarzukommen, gerät nicht gleich in Unruhe, wenn es zwei Tage unbequem wird. Unbequem ist für Camper ein Urlaubsmerkmal. Das ersetzt keinen Vorrat, aber es hilft vermutlich dabei, am zweiten Tag noch vernünftige Entscheidungen zu treffen. Belegen kann ich das nicht, es ist meine Einschätzung.
Was du direkt übernehmen kannst
Der Blick in die Checkliste des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist für Camper erfreulich, denn einiges davon liegt bei ihnen schon herum.
| Ausrüstung | Was sie im Ernstfall leistet | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Schlafsack und Isomatte | Wärme, wenn die Heizung ausfällt | Die Komforttemperatur zählt |
| Zwiebelkleidung, Regenjacke, feste Schuhe | Wärme drinnen, Notgepäck für draußen | Griffbereit, nicht im Auto |
| Stirnlampe | Licht ohne Feuer, beide Hände frei | Ersatzbatterien oder Ladung prüfen |
| Erste-Hilfe-Set | Grundausstattung für kleine Verletzungen | Ablaufdaten prüfen |
| Rucksack und Trinkflasche | Basis für das Notgepäck | Dokumente, Bargeld, Medikamente ergänzen |
| Faltkanister | Wasser holen und lagern | Sauber halten, vorher füllen |
Beim Notgepäck bist du fast fertig. Das BBK nennt warme Kleidung, Regenschutz, feste Schuhe, Wechselkleidung, Powerbank, Erste-Hilfe-Material, haltbares Essen und eine wiederbefüllbare Trinkflasche. Das ist im Wesentlichen ein Tagesrucksack. Es fehlen wichtige Dokumente, Bargeld und deine Medikamente, und genau die liegen selten in der Campingkiste.
Der Schlafsack gegen die kalte Wohnung
Eine befragte Person aus Berlin hatte Powerbanks, Radio und Gaskocher, war also ordentlich aufgestellt, und gegen die ausfallende Heizung half das trotzdem nichts. Hier hat der Camper etwas in der Hand, das im Winter mehr wert ist als jede Technik. Viele Wohnungen kühlten in Berlin zunehmend aus, eine Person berichtete von 5 Grad.
Prüfe deshalb die Komforttemperatur deines Schlafsacks. Sie ist die Grenze, bis zu der eine Standardfrau noch entspannt schläft, während die Limittemperatur für einen Standardmann gilt, der gerade noch nicht friert. Der Extremwert schützt nur vor dem Erfrieren und ist kein Schlafplan. Ein Sommerschlafsack endet ungefähr bei 10 Grad und reicht für den Januar nicht. Die Werte gelten außerdem nur, solange der Schlafsack trocken ist.
Der Rest ist das, was du vom Zeltplatz kennst, nur mit Tapete. Bleib in einem Raum, halte die Türen geschlossen und lüfte trotzdem regelmäßig, so wie es das BBK empfiehlt. Heißes Wasser vom Kocher draußen kommt in die Wärmflasche und die Wärmflasche in den Schlafsack. Auch ein Innenzelt im Wohnzimmer klingt logisch, weil weniger Luft zu wärmen ist. Eine belastbare Messung dazu habe ich nicht gefunden. Schaden dürfte es nicht, solange darin keine Flamme brennt.
Der Kocher: bestes Stück und größtes Risiko
Hier muss ich die gute Laune kurz unterbrechen. Das BBK ist eindeutig: Campingkocher mit Gaskartusche gehören ebenso wie Gas- und Holzkohlegrills ins Freie. In Innenräumen nennt es Stövchen, Fondue-Set mit Brennpaste und Gaskocher, die ausdrücklich für Innenräume zugelassen sind. Der Grund ist Kohlenmonoxid, das bei Verbrennung mit zu wenig Sauerstoff entsteht und lebensgefährlich ist.
Achtung
Heize nie mit Grill, Campingkocher oder Gasherd, auch nicht kurz und auch nicht bei gekipptem Fenster. Gerade wenn es kalt ist, liegt der Gedanke nahe, und gerade dann sind Türen und Fenster zu. Wer Kopfschmerzen oder Übelkeit bekommt, schaltet das Gerät aus, lüftet und geht sofort an die frische Luft. Bei starken Beschwerden: Notruf.

Die Routine kann dir hier also in den Rücken fallen, denn zu Hause fühlt sich der Griff zum vertrauten Kocher harmlos an. Koche deshalb auf dem Balkon oder im Garten. Ohne beides bleiben die Geräte für drinnen oder Essen, das gar nicht gekocht werden muss.
Die Menge ist erfreulich klein. Im Test von Outdoor reichte eine 230-Gramm-Kartusche bei Aufschraub- und Standfußkochern für etwa 15 Liter Teewasser, bei Systemkochern für etwa 21 Liter. Das sind Testwerte, Wind treibt den Verbrauch nach oben. Und weil Butan bei Kälte schlecht arbeitet, kann der Kocher ausgerechnet im Januar schwächeln. Probiere ihn einmal bei Frost aus, bevor du dich darauf verlässt. Trekkingnahrung passt hier gut, denn sie braucht oft nur heißes Wasser.
Für die Lagerung gibt es bei Gasflaschen klare Regeln: Keller und Schlafzimmer sind für Privathaushalte tabu, Treppenhäuser und Flure ungeeignet. Für kleine Kartuschen habe ich keine belastbare amtliche Mengenangabe gefunden. Ich würde mich deshalb an dieselbe Logik halten: wenige Stück, stehend, oberirdisch, gut belüftet, nicht im Schlafzimmer und nicht in der Sonne.
Die Campingtoilette: kein Luxus
Sie wirkt im Hobby wie ein Detail und wird in einer Etagenwohnung ohne Wasser plötzlich zum wichtigsten Gegenstand der Woche. Das BBK empfiehlt schlicht große, stabile Müllbeutel zum Einhängen in die Toilette, was funktioniert und niemanden begeistert. Eine Kassettentoilette ist die komfortablere Lösung.
Zwei Dinge solltest du wissen. Die Kassette darf laut Promobil zu Hause in die Toilette entleert werden, wenn die Wohnung an die Kanalisation angeschlossen ist. Ein Straßengully ist tabu. Fällt die Spülung aus, wartet die volle Kassette also auf den Tag, an dem das Wasser zurückkommt. Plane deshalb einen Platz dafür ein, und entleere sie im Alltag nach spätestens vier Tagen, wie Promobil rät. Sanitärzusätze sollten sparsam dosiert werden, Haushaltsreiniger gehören nicht hinein.
Wo die Ausrüstung aufhört
Die halbe Miete ist eben nur die Hälfte. Vier Lücken bleiben in der Regel, und du erkennst sie vermutlich sofort.
Wasser
Der Wasserfilter vermittelt eine Sicherheit, die er in der Stadt nicht einlöst. Übliche Hohlfaserfilter entfernen Bakterien und Protozoen, aber keine Viren und keine chemischen Stoffe. Abkochen tötet Keime, laut Apotheken Umschau reichen drei bis fünf Minuten sprudelndes Kochen, gegen Chemikalien hilft es aber nicht. Und wer in einer Mietwohnung in der Stadt lebt, hat keinen Gebirgsbach vor der Tür. Der Filter ist eine Reserve. Der Plan ist Wasser im Kanister, zwei Liter pro Person und Tag, davon ein halber Liter zum Kochen.
Essen
Die Tourenverpflegung reicht meist für das nächste Wochenende und für die Person, die sie gepackt hat. Für den Haushalt braucht es Essen für drei Tage als Anfang und möglichst zehn als Ziel, und zwar solches, das ihr auch sonst esst.
Nachrichten
Eine Stirnlampe gehört zur Grundausstattung, ein Batterieradio steckt dagegen selten im Rucksack. In Berlin nutzten 46 Prozent das Radio als Informationsquelle, und eine Person fuhr mit dem Auto in einen anderen Stadtteil, um Nachrichten zu hören und Empfang zu haben. Das Autoradio ist also tatsächlich eine Reserve, aber lass den Motor dafür nie in einer geschlossenen Garage laufen. Die Solar-Powerbank taugt dafür kaum. Im Test luden Modelle mit Zelle im Deckel rund 100 Milliamperestunden pro Stunde in voller Sonne, ein Smartphone hätte etwa 50 Sonnenstunden gebraucht. Faltbare Panels sind besser, im Januar steht die Sonne aber auch für sie schlecht.
Absprachen
Kein Rucksack weiß, wer die Kinder abholt. Deine Ausrüstung hilft dir, sie klärt aber nicht, wer im Haushalt was weiß, wo die Vollmachten liegen und wo ihr euch trefft, wenn das Netz weg ist. Dafür gibt es den Notfallordner und ein Gespräch über die Frage, was dein Partner wissen muss. Hier vermute ich die größte Lücke, weil sich mit Papier so schlecht angeben lässt.
Wohnmobil, Dachzelt und Auto
Wer einen Campingbus oder ein Wohnmobil hat, besitzt zusätzlich einen Schlafplatz mit Licht und Heizung, solange Batterie und Gas reichen. Auch dort gilt: Tragbare Verbrennungsgeräte nur, wenn der Hersteller sie für Innenräume freigibt, Generatoren haben im oder direkt am Fahrzeug nichts zu suchen, und ein batteriebetriebener CO-Warner gehört hinein. Steht das Fahrzeug nicht vor der Tür, sondern auf einem Stellplatz am Stadtrand, nützt es dir im Ernstfall allerdings wenig. Das gilt für jede Ausrüstung, die weit weg lagert.
Ein Dachzelt bringt vor allem Beweglichkeit. Wenn du am dritten Tag beschließt, zu Freunden zu fahren, ist das ein Vorteil, sofern der Tank nicht leer ist, denn Tankstellen können ohne Strom schließen. Sinnvoll ist es, ab halbvoll nachzutanken.
Ein Probelauf am Wochenende
Du musst dafür nichts kaufen. Nimm dir einen Samstag und geh die Sache einmal durch:
- Stell Schlafsäcke, Stirnlampen, Kocher und Kartuschen an einen Ort, den alle kennen.
- Bring den Kocher einmal auf dem Balkon oder im Garten zum Laufen, am besten bei Kälte.
- Prüfe Batterien, Powerbanks, Erste-Hilfe-Set und das Ablaufdatum der Tourenverpflegung.
- Füll einen Kanister und lege fest, wo das Wasser steht.
- Schreib auf, was fehlt. Vermutlich werden es Radio, Bargeld und Papier sein.
Der Ausfallplan für euren Haushalt
Die Ausrüstung hast du. Der Ausfallplan bringt Nummern, Absprachen und Treffpunkte auf acht Seiten zum Ausfüllen.
Häufige Fragen
Reicht Campingausrüstung als Krisenvorsorge?
Für Wärme, Licht und ein paar warme Mahlzeiten oft ja. Wasser, Essen für mehrere Tage, ein Radio und Absprachen fehlen meist noch.
Darf ich den Campingkocher in der Wohnung benutzen?
Den üblichen Kocher mit Gaskartusche nicht, er gehört nach draußen. Innen gehen nur Geräte, die ausdrücklich für Innenräume zugelassen sind.
Ersetzt ein Wasserfilter den Wasservorrat?
Nein. Übliche Filter halten weder Viren noch Chemikalien zurück, und in der Stadt fehlt oft die Wasserquelle.
Kann ich die Campingtoilette zu Hause entleeren?
Laut Promobil ja, wenn die Toilette an die Kanalisation angeschlossen ist. Ohne Wasser in der Leitung geht das aber erst später.
Dieser Text ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Im Ernstfall gehen Anweisungen von Behörden und Einsatzkräften vor.
Quellen
- Schulze, Merkes, Zimmermann, Voss: Sehr kalt und etwas unheimlich, AKFS Report Nr. 16, 2026. Online-Befragung vom 15. bis 26. Januar 2026, 600 Teilnehmende, nicht repräsentativ.
- BBK: Vorsorgen für Krisen und Katastrophen, Stand 10/2025, Kopie auf dortmund.de
- BBK: Vorsorge und Handeln bei Stromausfall
- Bergzeit: Temperaturangaben bei Schlafsäcken
- Bergzeit: Wasseraufbereitung, Kaufberatung
- Apotheken Umschau: Wasser abkochen
- Outdoor: Gaskocher im Test
- WEB.DE/Promobil: Campinggasflasche in der Sonne, aktualisiert 2. Juli 2026
- Öko-Test/dpa: Gasflaschen auf Vorrat, 23. Mai 2022
- Promobil: Basiswissen Camping-WC
- Promobil: Kassette vom Campingklo richtig leeren
- Techtest: Sind Solar-Powerbanks empfehlenswert?
- Camperstyle: Kohlenmonoxid in Wohnwagen und Wohnmobilen
Titelbild: Foto: Andrew Scofield, CC0, via Wikimedia Commons


