Kategorie: Blackout und Notfall

  • Camper sind schon halb vorbereitet: Was deine Ausrüstung im Ernstfall kann

    Camper sind schon halb vorbereitet: Was deine Ausrüstung im Ernstfall kann

    Wer zeltet oder wandert, hat vieles im Schrank, was andere erst kaufen müssten, und hat es vor allem schon benutzt. Was davon im Ernstfall trägt, wo es gefährlich wird und welche vier Dinge trotzdem fehlen.

    Geprüft am 4. November 2026. Alle Quellen stehen am Ende des Textes.

    Kurz gesagt

    • Der größte Vorsprung von Campern und Wanderern ist die Übung mit der eigenen Ausrüstung.
    • Schlafsack, warme Kleidung, Stirnlampe und Erste-Hilfe-Set kannst du direkt weiterverwenden.
    • Der Campingkocher mit Kartusche gehört auch im Ernstfall nach draußen. Heize nie damit.
    • Meist fehlen Wasservorrat, Essen für mehrere Tage, ein Radio und Absprachen auf Papier.
    • Ein üblicher Wasserfilter ersetzt keinen Vorrat, denn er hält weder Viren noch Chemikalien zurück.

    Nach dem großen Stromausfall im Berliner Südwesten im Januar 2026 hat die Akademie der Katastrophenforschungsstelle Betroffene befragt, und in dem Bericht steht eine Beobachtung, die jeden Camper freuen dürfte. Manche waren eher zufällig vorbereitet, etwa weil sie eine Campingausrüstung besaßen. Vorsorge durch Hobby also, ganz ohne Kellerregal und Plan.

    Derselbe Bericht zeigt aber auch die andere Seite. Eine Person hatte einen Gas-Campingkocher im Haus und fand den Anschluss nicht. Eine andere schrieb, sie wisse nicht, wie man mit einem Campingkocher umgeht. Die Forschenden merken trocken an, dass vorrätig haben nicht heißt, dass etwas funktioniert. Damit ist der Vorteil von Menschen, die gern draußen sind, ziemlich genau beschrieben.

    Der Vorsprung liegt in der Übung

    Ausrüstung kann man kaufen, Gewohnheit nicht. Wer regelmäßig zeltet oder mehrere Tage wandert, weiß, wie sich ein Abend ohne Steckdose anfühlt, wie lange eine Stirnlampe hält und dass man auch ohne Dusche ein zivilisierter Mensch bleibt. Ich schlafe selbst gern im Dachzelt und halte das für den eigentlichen Wert der Sache: Der Kocher liegt nicht original verpackt im Schrank, die Batterien sind nicht seit 2019 tot, und niemand muss im Dunkeln die Anleitung suchen.

    Dazu kommt etwas, das schwerer zu messen ist. Wer gelernt hat, mit wenig klarzukommen, gerät nicht gleich in Unruhe, wenn es zwei Tage unbequem wird. Unbequem ist für Camper ein Urlaubsmerkmal. Das ersetzt keinen Vorrat, aber es hilft vermutlich dabei, am zweiten Tag noch vernünftige Entscheidungen zu treffen. Belegen kann ich das nicht, es ist meine Einschätzung.

    Was du direkt übernehmen kannst

    Der Blick in die Checkliste des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist für Camper erfreulich, denn einiges davon liegt bei ihnen schon herum.

    AusrüstungWas sie im Ernstfall leistetWorauf du achtest
    Schlafsack und IsomatteWärme, wenn die Heizung ausfälltDie Komforttemperatur zählt
    Zwiebelkleidung, Regenjacke, feste SchuheWärme drinnen, Notgepäck für draußenGriffbereit, nicht im Auto
    StirnlampeLicht ohne Feuer, beide Hände freiErsatzbatterien oder Ladung prüfen
    Erste-Hilfe-SetGrundausstattung für kleine VerletzungenAblaufdaten prüfen
    Rucksack und TrinkflascheBasis für das NotgepäckDokumente, Bargeld, Medikamente ergänzen
    FaltkanisterWasser holen und lagernSauber halten, vorher füllen

    Beim Notgepäck bist du fast fertig. Das BBK nennt warme Kleidung, Regenschutz, feste Schuhe, Wechselkleidung, Powerbank, Erste-Hilfe-Material, haltbares Essen und eine wiederbefüllbare Trinkflasche. Das ist im Wesentlichen ein Tagesrucksack. Es fehlen wichtige Dokumente, Bargeld und deine Medikamente, und genau die liegen selten in der Campingkiste.

    Der Schlafsack gegen die kalte Wohnung

    Eine befragte Person aus Berlin hatte Powerbanks, Radio und Gaskocher, war also ordentlich aufgestellt, und gegen die ausfallende Heizung half das trotzdem nichts. Hier hat der Camper etwas in der Hand, das im Winter mehr wert ist als jede Technik. Viele Wohnungen kühlten in Berlin zunehmend aus, eine Person berichtete von 5 Grad.

    Prüfe deshalb die Komforttemperatur deines Schlafsacks. Sie ist die Grenze, bis zu der eine Standardfrau noch entspannt schläft, während die Limittemperatur für einen Standardmann gilt, der gerade noch nicht friert. Der Extremwert schützt nur vor dem Erfrieren und ist kein Schlafplan. Ein Sommerschlafsack endet ungefähr bei 10 Grad und reicht für den Januar nicht. Die Werte gelten außerdem nur, solange der Schlafsack trocken ist.

    Der Rest ist das, was du vom Zeltplatz kennst, nur mit Tapete. Bleib in einem Raum, halte die Türen geschlossen und lüfte trotzdem regelmäßig, so wie es das BBK empfiehlt. Heißes Wasser vom Kocher draußen kommt in die Wärmflasche und die Wärmflasche in den Schlafsack. Auch ein Innenzelt im Wohnzimmer klingt logisch, weil weniger Luft zu wärmen ist. Eine belastbare Messung dazu habe ich nicht gefunden. Schaden dürfte es nicht, solange darin keine Flamme brennt.

    Der Kocher: bestes Stück und größtes Risiko

    Hier muss ich die gute Laune kurz unterbrechen. Das BBK ist eindeutig: Campingkocher mit Gaskartusche gehören ebenso wie Gas- und Holzkohlegrills ins Freie. In Innenräumen nennt es Stövchen, Fondue-Set mit Brennpaste und Gaskocher, die ausdrücklich für Innenräume zugelassen sind. Der Grund ist Kohlenmonoxid, das bei Verbrennung mit zu wenig Sauerstoff entsteht und lebensgefährlich ist.

    Achtung

    Heize nie mit Grill, Campingkocher oder Gasherd, auch nicht kurz und auch nicht bei gekipptem Fenster. Gerade wenn es kalt ist, liegt der Gedanke nahe, und gerade dann sind Türen und Fenster zu. Wer Kopfschmerzen oder Übelkeit bekommt, schaltet das Gerät aus, lüftet und geht sofort an die frische Luft. Bei starken Beschwerden: Notruf.

    Tragbarer Gaskocher mit Pfanne
    Kartuschenkocher wie dieser bleiben draußen, auch wenn es friert. Foto: Itai, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

    Die Routine kann dir hier also in den Rücken fallen, denn zu Hause fühlt sich der Griff zum vertrauten Kocher harmlos an. Koche deshalb auf dem Balkon oder im Garten. Ohne beides bleiben die Geräte für drinnen oder Essen, das gar nicht gekocht werden muss.

    Die Menge ist erfreulich klein. Im Test von Outdoor reichte eine 230-Gramm-Kartusche bei Aufschraub- und Standfußkochern für etwa 15 Liter Teewasser, bei Systemkochern für etwa 21 Liter. Das sind Testwerte, Wind treibt den Verbrauch nach oben. Und weil Butan bei Kälte schlecht arbeitet, kann der Kocher ausgerechnet im Januar schwächeln. Probiere ihn einmal bei Frost aus, bevor du dich darauf verlässt. Trekkingnahrung passt hier gut, denn sie braucht oft nur heißes Wasser.

    Für die Lagerung gibt es bei Gasflaschen klare Regeln: Keller und Schlafzimmer sind für Privathaushalte tabu, Treppenhäuser und Flure ungeeignet. Für kleine Kartuschen habe ich keine belastbare amtliche Mengenangabe gefunden. Ich würde mich deshalb an dieselbe Logik halten: wenige Stück, stehend, oberirdisch, gut belüftet, nicht im Schlafzimmer und nicht in der Sonne.

    Die Campingtoilette: kein Luxus

    Sie wirkt im Hobby wie ein Detail und wird in einer Etagenwohnung ohne Wasser plötzlich zum wichtigsten Gegenstand der Woche. Das BBK empfiehlt schlicht große, stabile Müllbeutel zum Einhängen in die Toilette, was funktioniert und niemanden begeistert. Eine Kassettentoilette ist die komfortablere Lösung.

    Zwei Dinge solltest du wissen. Die Kassette darf laut Promobil zu Hause in die Toilette entleert werden, wenn die Wohnung an die Kanalisation angeschlossen ist. Ein Straßengully ist tabu. Fällt die Spülung aus, wartet die volle Kassette also auf den Tag, an dem das Wasser zurückkommt. Plane deshalb einen Platz dafür ein, und entleere sie im Alltag nach spätestens vier Tagen, wie Promobil rät. Sanitärzusätze sollten sparsam dosiert werden, Haushaltsreiniger gehören nicht hinein.

    Wo die Ausrüstung aufhört

    Die halbe Miete ist eben nur die Hälfte. Vier Lücken bleiben in der Regel, und du erkennst sie vermutlich sofort.

    Wasser

    Der Wasserfilter vermittelt eine Sicherheit, die er in der Stadt nicht einlöst. Übliche Hohlfaserfilter entfernen Bakterien und Protozoen, aber keine Viren und keine chemischen Stoffe. Abkochen tötet Keime, laut Apotheken Umschau reichen drei bis fünf Minuten sprudelndes Kochen, gegen Chemikalien hilft es aber nicht. Und wer in einer Mietwohnung in der Stadt lebt, hat keinen Gebirgsbach vor der Tür. Der Filter ist eine Reserve. Der Plan ist Wasser im Kanister, zwei Liter pro Person und Tag, davon ein halber Liter zum Kochen.

    Essen

    Die Tourenverpflegung reicht meist für das nächste Wochenende und für die Person, die sie gepackt hat. Für den Haushalt braucht es Essen für drei Tage als Anfang und möglichst zehn als Ziel, und zwar solches, das ihr auch sonst esst.

    Nachrichten

    Eine Stirnlampe gehört zur Grundausstattung, ein Batterieradio steckt dagegen selten im Rucksack. In Berlin nutzten 46 Prozent das Radio als Informationsquelle, und eine Person fuhr mit dem Auto in einen anderen Stadtteil, um Nachrichten zu hören und Empfang zu haben. Das Autoradio ist also tatsächlich eine Reserve, aber lass den Motor dafür nie in einer geschlossenen Garage laufen. Die Solar-Powerbank taugt dafür kaum. Im Test luden Modelle mit Zelle im Deckel rund 100 Milliamperestunden pro Stunde in voller Sonne, ein Smartphone hätte etwa 50 Sonnenstunden gebraucht. Faltbare Panels sind besser, im Januar steht die Sonne aber auch für sie schlecht.

    Absprachen

    Kein Rucksack weiß, wer die Kinder abholt. Deine Ausrüstung hilft dir, sie klärt aber nicht, wer im Haushalt was weiß, wo die Vollmachten liegen und wo ihr euch trefft, wenn das Netz weg ist. Dafür gibt es den Notfallordner und ein Gespräch über die Frage, was dein Partner wissen muss. Hier vermute ich die größte Lücke, weil sich mit Papier so schlecht angeben lässt.

    Wohnmobil, Dachzelt und Auto

    Wer einen Campingbus oder ein Wohnmobil hat, besitzt zusätzlich einen Schlafplatz mit Licht und Heizung, solange Batterie und Gas reichen. Auch dort gilt: Tragbare Verbrennungsgeräte nur, wenn der Hersteller sie für Innenräume freigibt, Generatoren haben im oder direkt am Fahrzeug nichts zu suchen, und ein batteriebetriebener CO-Warner gehört hinein. Steht das Fahrzeug nicht vor der Tür, sondern auf einem Stellplatz am Stadtrand, nützt es dir im Ernstfall allerdings wenig. Das gilt für jede Ausrüstung, die weit weg lagert.

    Ein Dachzelt bringt vor allem Beweglichkeit. Wenn du am dritten Tag beschließt, zu Freunden zu fahren, ist das ein Vorteil, sofern der Tank nicht leer ist, denn Tankstellen können ohne Strom schließen. Sinnvoll ist es, ab halbvoll nachzutanken.

    Ein Probelauf am Wochenende

    Du musst dafür nichts kaufen. Nimm dir einen Samstag und geh die Sache einmal durch:

    1. Stell Schlafsäcke, Stirnlampen, Kocher und Kartuschen an einen Ort, den alle kennen.
    2. Bring den Kocher einmal auf dem Balkon oder im Garten zum Laufen, am besten bei Kälte.
    3. Prüfe Batterien, Powerbanks, Erste-Hilfe-Set und das Ablaufdatum der Tourenverpflegung.
    4. Füll einen Kanister und lege fest, wo das Wasser steht.
    5. Schreib auf, was fehlt. Vermutlich werden es Radio, Bargeld und Papier sein.

    Der Ausfallplan für euren Haushalt

    Die Ausrüstung hast du. Der Ausfallplan bringt Nummern, Absprachen und Treffpunkte auf acht Seiten zum Ausfüllen.

    Häufige Fragen

    Reicht Campingausrüstung als Krisenvorsorge?

    Für Wärme, Licht und ein paar warme Mahlzeiten oft ja. Wasser, Essen für mehrere Tage, ein Radio und Absprachen fehlen meist noch.

    Darf ich den Campingkocher in der Wohnung benutzen?

    Den üblichen Kocher mit Gaskartusche nicht, er gehört nach draußen. Innen gehen nur Geräte, die ausdrücklich für Innenräume zugelassen sind.

    Ersetzt ein Wasserfilter den Wasservorrat?

    Nein. Übliche Filter halten weder Viren noch Chemikalien zurück, und in der Stadt fehlt oft die Wasserquelle.

    Kann ich die Campingtoilette zu Hause entleeren?

    Laut Promobil ja, wenn die Toilette an die Kanalisation angeschlossen ist. Ohne Wasser in der Leitung geht das aber erst später.

    Dieser Text ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Im Ernstfall gehen Anweisungen von Behörden und Einsatzkräften vor.

    Quellen

    Titelbild: Foto: Andrew Scofield, CC0, via Wikimedia Commons

  • Drei Tage ohne Strom: Was in deiner Wohnung wirklich passiert

    Drei Tage ohne Strom: Was in deiner Wohnung wirklich passiert

    Was in einer normalen Mietwohnung nach Stunde eins, am ersten Abend und am dritten Morgen passiert, was du dann tust, und was du besser klärst, solange das Licht noch brennt.

    Geprüft am 4. November 2026. Alle Quellen stehen am Ende des Textes.

    Kurz gesagt

    • Sicherungskasten prüfen, Herd und Ofen aus, Kühlschrank zu.
    • Am ersten Abend zählen Radio, Taschenlampe, geladene Powerbank und Nummern auf Papier.
    • Das größte Problem sind Kälte, Wasser und die Toilette.
    • Campingkocher mit Kartusche und Grill nur im Freien. Kohlenmonoxid riechst du nicht.
    • Drei Tage sind der Anfang. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt zehn Tage als Ziel.

    Am 3. Januar 2026 ging im Südwesten Berlins um 6:26 Uhr nach einer Brandstiftung der Strom aus, und zwar nicht für die paar Minuten, die man braucht, um im Flur die Taschenlampe zu suchen. 45.000 Haushalte und 2.200 Gewerbebetriebe waren mitten im Winter betroffen, das gesamte Gebiet war erst am 7. Januar um 20:30 Uhr wieder versorgt. Das sind 110 Stunden bis zum letzten Haus. Lichterfelde war nach gut einem Tag überwiegend zurück, andere Ortsteile mussten Tage warten.

    Normal ist das nicht. Im Jahr 2024 fehlte der Strom je Letztverbraucher im Schnitt 11,7 Minuten, und meist ist ein Ausfall nach wenigen Stunden behoben. Nur haben Durchschnitte noch niemanden gewärmt. Deshalb geht es hier um den Fall dazwischen, den Fall ohne Weltuntergang: drei Tage in einer Wohnung, die ohne Steckdose plötzlich sehr viel weniger Wohnung ist, als man dachte. Das BBK empfiehlt, sich für möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können, und sagt zugleich, dass schon drei Tage sehr helfen. Drei Tage sind ein Anfang, den man an einem Samstag schafft.

    Die erste Stunde: Herausfinden, was überhaupt los ist

    Der erste Blick gehört dem Sicherungskasten, denn es wäre schade, die Nachbarschaft zu alarmieren, weil der Toaster den FI-Schalter ausgelöst hat. Ist auch das Treppenhaus dunkel und gegenüber kein Fenster hell, liegt es nicht an dir. Dann lohnen sich ein paar Handgriffe, die fast nichts kosten:

    1. Herd und Backofen ausschalten, denn kommt der Strom zurück, während niemand hinsieht, wird daraus eine Brandgefahr.
    2. PC und Fernseher ausschalten, damit Spannungsschwankungen beim Wiedereinschalten keinen Schaden anrichten.
    3. Licht machen, möglichst ohne Feuer. Eine Taschenlampe kippt nicht um.
    4. Kühlschrank und Gefriertruhe zulassen. Wer nachsieht, ob noch alles kalt ist, sorgt dafür, dass es das bald nicht mehr ist.
    5. Notruf nur im echten Notfall wählen. Die Leitungen sind nicht dafür da, zu erfahren, was passiert ist.

    Den Ausfall meldest du gegebenenfalls beim örtlichen Netzbetreiber, nicht bei deinem Stromanbieter. Wer das ist, steht meist auf der Rechnung, und damit sind wir bereits beim eigentlichen Thema dieses Textes: Alles, was du im Dunkeln wissen musst, sollte vorher irgendwo auf Papier stehen.

    Der erste Abend: Das Handy ist nicht dein Plan

    Nach ein paar Stunden merkst du, wie viel im Alltag am Strom hängt und wie wenig davon man sieht. Der Router ist aus, das Mobilfunknetz kann folgen, Warn-Apps können verstummen. Eine Powerbank lädt dein Handy, aber nicht den Sendemast. In Berlin stellte der Senat zeitweise Einschränkungen im Mobilfunk fest, und in einer Befragung von Betroffenen gehörte der gleichzeitige Ausfall von Mobilfunk, Internet und Telefon zu den größten Problemen. 46 Prozent nutzten das Radio als Informationsquelle, 51 Prozent Nachbarn, Freunde und Familie. Die Befragung ist nicht repräsentativ, aber ein Radio im Schrank, das nach Dachboden aussieht, wirkt nach diesen Zahlen deutlich weniger altmodisch.

    An diesem Abend klärst du drei Dinge. Wo steckt wer, und wie erreicht ihr euch, falls das Netz wegbricht? Wer im Haus braucht vielleicht Hilfe, weil der Aufzug steht? Und wie kommst du an Geld, wenn Karten und Automaten nicht zuverlässig funktionieren? Für das Kartenzahlen ohne Strom gibt es keinen Trick, für das Bargeld schon: Es muss vorher da sein, in kleinen Scheinen.

    Geschlossen hält ein Kühlschrank die Kälte etwa vier bis sechs Stunden, ein Gefrierschrank oft bis zu 48 Stunden. Das Abendessen besteht also sinnvollerweise aus dem, was als Erstes verderben würde. Es gibt schlechtere Gründe für ein Käsebrot.

    Wasser und Toilette: Das unterschätzte Problem

    Hier gehen die Angaben auseinander. Die Verbraucherzentrale schreibt, die Wasserversorgung bleibe meist erhalten, das BBK warnt, es könne kein Wasser mehr aus der Leitung kommen. Beides stimmt, je nach Ort, Dauer und Versorger, nur kommt in deiner Wohnung noch das Stockwerk dazu. In Hochhäusern braucht es eine Druckerhöhung, damit das Wasser oben ankommt, und die läuft ohne Notstrom nicht. Frag deine Hausverwaltung, ob dein Haus so eine Anlage hat und wie es mit den Abwasserpumpen aussieht, denn auch die brauchen Strom. Es ist eine Frage von zwei Minuten, und du bist danach vermutlich der einzige Mensch im Haus, der die Antwort kennt.

    Plane deshalb mit dem schlechteren Fall: zwei Liter pro Person und Tag zum Trinken und Kochen, für zwei Personen und drei Tage also zwölf Liter, und das ist noch kein Tropfen zum Waschen. Ein Spülkasten funktioniert ohne Strom, aber nicht ohne Wasser. Läuft nichts mehr nach, helfen ein stabiler Müllbeutel im Becken oder eine Campingtoilette, was niemand gern liest und jeder am zweiten Tag gern gelesen hätte.

    Tag zwei: Die Wohnung wird kleiner

    Verhungern wird bei einem Stromausfall niemand. Gefährlich wird es, wenn jemand den Campingkocher in der Küche anwirft, weil es draußen friert und die Suppe kalt ist. Bei Verbrennung mit zu wenig Sauerstoff kann Kohlenmonoxid entstehen, und das ist lebensgefährlich. Ein Gasherd lässt sich laut BBK oft weiter nutzen, am einfachsten ist aber Essen, das gar nicht oder nur kurz gekocht werden muss. Niemand verlangt am zweiten Tag ein Menü.

    In Räumen möglichNur im Freien
    Stövchen mit Teelicht zum AufwärmenCampingkocher mit Gaskartusche
    Fondue-Set mit Brennpaste für kleine MengenGasgrill
    Gaskocher, wenn er ausdrücklich für Innenräume zugelassen istHolzkohlegrill

    Achtung

    Innen nur Geräte nutzen, die dafür zugelassen sind, auch wenn draußen Schnee liegt und das Fenster gekippt ist. Das Fenster macht aus einem Grill keinen Ofen. Laut Verbraucherzentrale kann der Betrieb eines Außengeräts in der Wohnung im Schadensfall zudem als grob fahrlässig gelten.

    Brennende Kerze auf dunklem Untergrund
    Kerzen sind praktisch, aber offenes Feuer. In Räumen immer lüften. Foto: User:Yanachka, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

    Auch die Heizung ist häufig raus, selbst wenn sie mit Gas läuft, denn Pumpe und Steuerung brauchen Strom. In Berlin kühlten viele Wohnungen zunehmend aus, eine Person berichtete von 5 Grad. Such dir deshalb einen Raum aus, am besten den kleinsten, der noch für alle reicht, halte die Türen zu und zieh an, was da ist. Zwei Pullover, eine Decke und ein Schlafsack sind eine bessere Technologie, als ihr Ruf vermuten lässt. Heize nie mit Grill, Campingkocher oder Gasherd. Regelmäßig lüften musst du trotzdem, erst recht, wenn Kerzen brennen, und keine Flamme bleibt unbeaufsichtigt.

    Tag drei: Bleiben oder gehen?

    Am dritten Morgen stellt sich die Frage, ob es noch vernünftig ist zu bleiben. In der Berliner Befragung übernachteten 39 Prozent zeitweise bei Freunden, Verwandten oder Bekannten, 13 Prozent im Hotel, und niemand der Befragten schlief in einer offiziellen Notunterkunft. Der eigentliche Vorrat vieler Menschen war also ein Gästezimmer anderer Leute. Überlege dir deshalb jetzt, zu wem du gehen könntest und wen du aufnehmen würdest, und sag es den Betreffenden.

    Bevor du gehst, klingle bei den Nachbarn, vor allem bei denen, die allein leben oder schlecht zu Fuß sind. 73 Prozent der direkt Betroffenen halfen in Berlin selbst anderen, sozial isolierte Menschen fielen dagegen durch dieses Netz. Klingeln kann man übrigens auch vorher, das ist deutlich weniger peinlich.

    Funktionieren 110 und 112 nicht mehr, rät das BBK, im Notfall möglichst zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus zu gehen. Manche Städte richten Anlaufstellen ein, in Berlin die Katastrophenschutz-Leuchttürme, an denen sich laut Land auch Notrufe absetzen lassen. Nur wussten in der Befragung manche nicht, wo sie sind. Frag bei deiner Stadt nach, ob es so etwas dort gibt. Wer zu Hause auf ein strombetriebenes Gerät oder kühlpflichtige Medikamente angewiesen ist, sollte schon lange vorher mit Praxis, Apotheke oder Versorger klären, wie lange das ohne Netz funktioniert und was dann zu tun ist.

    Was du klärst, solange das Licht brennt

    Vor allem anderen kommt Papier, denn das ist das einzige Gerät im Haushalt, das bei Stromausfall ohne Einschränkung funktioniert. Erst danach lohnt sich der Einkauf, und das meiste davon liegt wahrscheinlich schon irgendwo herum.

    • Wichtige Nummern ausgedruckt, auch die deines Netzbetreibers und der Hausverwaltung
    • Absprache, wo ihr euch trefft und wer die Kinder abholt, wenn das Netz weg ist
    • Eine Anlaufstelle in deiner Stadt und jemand, bei dem du unterkommen kannst
    • Radio mit Batterie oder Kurbel, Taschenlampe, Ersatzbatterien, geladene Powerbank
    • Wasser und Essen für drei Tage als erste Stufe, zehn als Ziel
    • Bargeld in kleinen Scheinen, dazu ein Vorrat deiner Medikamente, den du mit der Praxis besprichst
    • Stabile Müllbeutel, Toilettenpapier, warme Decken oder Schlafsäcke für alle

    Probiere die Geräte einmal aus. In Berlin scheiterte Vorbereitung auch an Technik, die zwar vorhanden, aber nicht einsatzbereit war. Und tanke ab halbvoll nach, weil Tankstellen ohne Strom schließen können.

    Ein Plan auf Papier, statt im Handy

    Der Ausfallplan bringt Nummern, Absprachen, Treffpunkte und die wichtigsten Handgriffe auf wenige Seiten, die du einmal ausfüllst und dann griffbereit hast.

    Wenn der Strom zurück ist

    Schalte die Geräte nach und nach wieder ein, prüfe die Lebensmittel und fülle auf, was du verbraucht hast. Aufgetautes verbrauchst du rasch, rohe tierische Produkte erhitzt du vollständig. Im Zweifel gilt die einfachste Regel des Haushalts: weg damit. Schäden solltest du dokumentieren. Die Hausratversicherung kann greifen, zahlt bei rein technischen Defekten an Geräten aber in der Regel nicht, maßgeblich ist dein Vertrag. Bei Frost- oder Rohrschäden informierst du Vermieter oder Fachbetrieb.

    Danach ist der beste Moment, den Notfallordner anzulegen, weil du gerade weißt, was gefehlt hat. Und wenn dir während der Dunkelheit aufgefallen ist, dass nur einer von euch weiß, wo die wichtigen Dinge liegen, dann lies weiter bei dem Text darüber, was dein Partner wissen muss.

    Häufige Fragen

    Wie lange dauert ein Stromausfall in Deutschland?

    In der Regel wenige Stunden. Bei großflächigen Schäden kann es laut BBK auch Tage dauern, wie Berlin im Januar 2026 gezeigt hat.

    Reichen drei Tage Vorrat?

    Für einen Anfang ja. Das BBK empfiehlt, sich für möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können, und nennt drei Tage als große Hilfe.

    Darf ich den Campingkocher in der Wohnung benutzen?

    Den üblichen Campingkocher mit Gaskartusche nicht, der gehört nach draußen. Innen gehen nur Geräte, die ausdrücklich für Innenräume zugelassen sind. Sonst droht eine lebensgefährliche Kohlenmonoxidvergiftung.

    Wie lange bleibt der Kühlschrank kalt?

    Geschlossen etwa vier bis sechs Stunden, ein Gefrierschrank oft bis zu 48 Stunden.

    Dieser Text ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Im Ernstfall gehen Anweisungen von Behörden und Einsatzkräften vor.

    Quellen

    Titelbild: Foto: Mostafameraji, CC0, via Wikimedia Commons