Was in einer normalen Mietwohnung nach Stunde eins, am ersten Abend und am dritten Morgen passiert, was du dann tust, und was du besser klärst, solange das Licht noch brennt.
Kurz gesagt
- Sicherungskasten prüfen, Herd und Ofen aus, Kühlschrank zu.
- Am ersten Abend zählen Radio, Taschenlampe, geladene Powerbank und Nummern auf Papier.
- Das größte Problem sind Kälte, Wasser und die Toilette.
- Campingkocher mit Kartusche und Grill nur im Freien. Kohlenmonoxid riechst du nicht.
- Drei Tage sind der Anfang. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt zehn Tage als Ziel.
Am 3. Januar 2026 ging im Südwesten Berlins um 6:26 Uhr nach einer Brandstiftung der Strom aus, und zwar nicht für die paar Minuten, die man braucht, um im Flur die Taschenlampe zu suchen. 45.000 Haushalte und 2.200 Gewerbebetriebe waren mitten im Winter betroffen, das gesamte Gebiet war erst am 7. Januar um 20:30 Uhr wieder versorgt. Das sind 110 Stunden bis zum letzten Haus. Lichterfelde war nach gut einem Tag überwiegend zurück, andere Ortsteile mussten Tage warten.
Normal ist das nicht. Im Jahr 2024 fehlte der Strom je Letztverbraucher im Schnitt 11,7 Minuten, und meist ist ein Ausfall nach wenigen Stunden behoben. Nur haben Durchschnitte noch niemanden gewärmt. Deshalb geht es hier um den Fall dazwischen, den Fall ohne Weltuntergang: drei Tage in einer Wohnung, die ohne Steckdose plötzlich sehr viel weniger Wohnung ist, als man dachte. Das BBK empfiehlt, sich für möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können, und sagt zugleich, dass schon drei Tage sehr helfen. Drei Tage sind ein Anfang, den man an einem Samstag schafft.
Die erste Stunde: Herausfinden, was überhaupt los ist
Der erste Blick gehört dem Sicherungskasten, denn es wäre schade, die Nachbarschaft zu alarmieren, weil der Toaster den FI-Schalter ausgelöst hat. Ist auch das Treppenhaus dunkel und gegenüber kein Fenster hell, liegt es nicht an dir. Dann lohnen sich ein paar Handgriffe, die fast nichts kosten:
- Herd und Backofen ausschalten, denn kommt der Strom zurück, während niemand hinsieht, wird daraus eine Brandgefahr.
- PC und Fernseher ausschalten, damit Spannungsschwankungen beim Wiedereinschalten keinen Schaden anrichten.
- Licht machen, möglichst ohne Feuer. Eine Taschenlampe kippt nicht um.
- Kühlschrank und Gefriertruhe zulassen. Wer nachsieht, ob noch alles kalt ist, sorgt dafür, dass es das bald nicht mehr ist.
- Notruf nur im echten Notfall wählen. Die Leitungen sind nicht dafür da, zu erfahren, was passiert ist.
Den Ausfall meldest du gegebenenfalls beim örtlichen Netzbetreiber, nicht bei deinem Stromanbieter. Wer das ist, steht meist auf der Rechnung, und damit sind wir bereits beim eigentlichen Thema dieses Textes: Alles, was du im Dunkeln wissen musst, sollte vorher irgendwo auf Papier stehen.
Der erste Abend: Das Handy ist nicht dein Plan
Nach ein paar Stunden merkst du, wie viel im Alltag am Strom hängt und wie wenig davon man sieht. Der Router ist aus, das Mobilfunknetz kann folgen, Warn-Apps können verstummen. Eine Powerbank lädt dein Handy, aber nicht den Sendemast. In Berlin stellte der Senat zeitweise Einschränkungen im Mobilfunk fest, und in einer Befragung von Betroffenen gehörte der gleichzeitige Ausfall von Mobilfunk, Internet und Telefon zu den größten Problemen. 46 Prozent nutzten das Radio als Informationsquelle, 51 Prozent Nachbarn, Freunde und Familie. Die Befragung ist nicht repräsentativ, aber ein Radio im Schrank, das nach Dachboden aussieht, wirkt nach diesen Zahlen deutlich weniger altmodisch.
An diesem Abend klärst du drei Dinge. Wo steckt wer, und wie erreicht ihr euch, falls das Netz wegbricht? Wer im Haus braucht vielleicht Hilfe, weil der Aufzug steht? Und wie kommst du an Geld, wenn Karten und Automaten nicht zuverlässig funktionieren? Für das Kartenzahlen ohne Strom gibt es keinen Trick, für das Bargeld schon: Es muss vorher da sein, in kleinen Scheinen.
Geschlossen hält ein Kühlschrank die Kälte etwa vier bis sechs Stunden, ein Gefrierschrank oft bis zu 48 Stunden. Das Abendessen besteht also sinnvollerweise aus dem, was als Erstes verderben würde. Es gibt schlechtere Gründe für ein Käsebrot.
Wasser und Toilette: Das unterschätzte Problem
Hier gehen die Angaben auseinander. Die Verbraucherzentrale schreibt, die Wasserversorgung bleibe meist erhalten, das BBK warnt, es könne kein Wasser mehr aus der Leitung kommen. Beides stimmt, je nach Ort, Dauer und Versorger, nur kommt in deiner Wohnung noch das Stockwerk dazu. In Hochhäusern braucht es eine Druckerhöhung, damit das Wasser oben ankommt, und die läuft ohne Notstrom nicht. Frag deine Hausverwaltung, ob dein Haus so eine Anlage hat und wie es mit den Abwasserpumpen aussieht, denn auch die brauchen Strom. Es ist eine Frage von zwei Minuten, und du bist danach vermutlich der einzige Mensch im Haus, der die Antwort kennt.
Plane deshalb mit dem schlechteren Fall: zwei Liter pro Person und Tag zum Trinken und Kochen, für zwei Personen und drei Tage also zwölf Liter, und das ist noch kein Tropfen zum Waschen. Ein Spülkasten funktioniert ohne Strom, aber nicht ohne Wasser. Läuft nichts mehr nach, helfen ein stabiler Müllbeutel im Becken oder eine Campingtoilette, was niemand gern liest und jeder am zweiten Tag gern gelesen hätte.
Tag zwei: Die Wohnung wird kleiner
Verhungern wird bei einem Stromausfall niemand. Gefährlich wird es, wenn jemand den Campingkocher in der Küche anwirft, weil es draußen friert und die Suppe kalt ist. Bei Verbrennung mit zu wenig Sauerstoff kann Kohlenmonoxid entstehen, und das ist lebensgefährlich. Ein Gasherd lässt sich laut BBK oft weiter nutzen, am einfachsten ist aber Essen, das gar nicht oder nur kurz gekocht werden muss. Niemand verlangt am zweiten Tag ein Menü.
| In Räumen möglich | Nur im Freien |
|---|---|
| Stövchen mit Teelicht zum Aufwärmen | Campingkocher mit Gaskartusche |
| Fondue-Set mit Brennpaste für kleine Mengen | Gasgrill |
| Gaskocher, wenn er ausdrücklich für Innenräume zugelassen ist | Holzkohlegrill |
Achtung
Innen nur Geräte nutzen, die dafür zugelassen sind, auch wenn draußen Schnee liegt und das Fenster gekippt ist. Das Fenster macht aus einem Grill keinen Ofen. Laut Verbraucherzentrale kann der Betrieb eines Außengeräts in der Wohnung im Schadensfall zudem als grob fahrlässig gelten.

Auch die Heizung ist häufig raus, selbst wenn sie mit Gas läuft, denn Pumpe und Steuerung brauchen Strom. In Berlin kühlten viele Wohnungen zunehmend aus, eine Person berichtete von 5 Grad. Such dir deshalb einen Raum aus, am besten den kleinsten, der noch für alle reicht, halte die Türen zu und zieh an, was da ist. Zwei Pullover, eine Decke und ein Schlafsack sind eine bessere Technologie, als ihr Ruf vermuten lässt. Heize nie mit Grill, Campingkocher oder Gasherd. Regelmäßig lüften musst du trotzdem, erst recht, wenn Kerzen brennen, und keine Flamme bleibt unbeaufsichtigt.
Tag drei: Bleiben oder gehen?
Am dritten Morgen stellt sich die Frage, ob es noch vernünftig ist zu bleiben. In der Berliner Befragung übernachteten 39 Prozent zeitweise bei Freunden, Verwandten oder Bekannten, 13 Prozent im Hotel, und niemand der Befragten schlief in einer offiziellen Notunterkunft. Der eigentliche Vorrat vieler Menschen war also ein Gästezimmer anderer Leute. Überlege dir deshalb jetzt, zu wem du gehen könntest und wen du aufnehmen würdest, und sag es den Betreffenden.
Bevor du gehst, klingle bei den Nachbarn, vor allem bei denen, die allein leben oder schlecht zu Fuß sind. 73 Prozent der direkt Betroffenen halfen in Berlin selbst anderen, sozial isolierte Menschen fielen dagegen durch dieses Netz. Klingeln kann man übrigens auch vorher, das ist deutlich weniger peinlich.
Funktionieren 110 und 112 nicht mehr, rät das BBK, im Notfall möglichst zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus zu gehen. Manche Städte richten Anlaufstellen ein, in Berlin die Katastrophenschutz-Leuchttürme, an denen sich laut Land auch Notrufe absetzen lassen. Nur wussten in der Befragung manche nicht, wo sie sind. Frag bei deiner Stadt nach, ob es so etwas dort gibt. Wer zu Hause auf ein strombetriebenes Gerät oder kühlpflichtige Medikamente angewiesen ist, sollte schon lange vorher mit Praxis, Apotheke oder Versorger klären, wie lange das ohne Netz funktioniert und was dann zu tun ist.
Was du klärst, solange das Licht brennt
Vor allem anderen kommt Papier, denn das ist das einzige Gerät im Haushalt, das bei Stromausfall ohne Einschränkung funktioniert. Erst danach lohnt sich der Einkauf, und das meiste davon liegt wahrscheinlich schon irgendwo herum.
- Wichtige Nummern ausgedruckt, auch die deines Netzbetreibers und der Hausverwaltung
- Absprache, wo ihr euch trefft und wer die Kinder abholt, wenn das Netz weg ist
- Eine Anlaufstelle in deiner Stadt und jemand, bei dem du unterkommen kannst
- Radio mit Batterie oder Kurbel, Taschenlampe, Ersatzbatterien, geladene Powerbank
- Wasser und Essen für drei Tage als erste Stufe, zehn als Ziel
- Bargeld in kleinen Scheinen, dazu ein Vorrat deiner Medikamente, den du mit der Praxis besprichst
- Stabile Müllbeutel, Toilettenpapier, warme Decken oder Schlafsäcke für alle
Probiere die Geräte einmal aus. In Berlin scheiterte Vorbereitung auch an Technik, die zwar vorhanden, aber nicht einsatzbereit war. Und tanke ab halbvoll nach, weil Tankstellen ohne Strom schließen können.
Ein Plan auf Papier, statt im Handy
Der Ausfallplan bringt Nummern, Absprachen, Treffpunkte und die wichtigsten Handgriffe auf wenige Seiten, die du einmal ausfüllst und dann griffbereit hast.
Wenn der Strom zurück ist
Schalte die Geräte nach und nach wieder ein, prüfe die Lebensmittel und fülle auf, was du verbraucht hast. Aufgetautes verbrauchst du rasch, rohe tierische Produkte erhitzt du vollständig. Im Zweifel gilt die einfachste Regel des Haushalts: weg damit. Schäden solltest du dokumentieren. Die Hausratversicherung kann greifen, zahlt bei rein technischen Defekten an Geräten aber in der Regel nicht, maßgeblich ist dein Vertrag. Bei Frost- oder Rohrschäden informierst du Vermieter oder Fachbetrieb.
Danach ist der beste Moment, den Notfallordner anzulegen, weil du gerade weißt, was gefehlt hat. Und wenn dir während der Dunkelheit aufgefallen ist, dass nur einer von euch weiß, wo die wichtigen Dinge liegen, dann lies weiter bei dem Text darüber, was dein Partner wissen muss.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Stromausfall in Deutschland?
In der Regel wenige Stunden. Bei großflächigen Schäden kann es laut BBK auch Tage dauern, wie Berlin im Januar 2026 gezeigt hat.
Reichen drei Tage Vorrat?
Für einen Anfang ja. Das BBK empfiehlt, sich für möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können, und nennt drei Tage als große Hilfe.
Darf ich den Campingkocher in der Wohnung benutzen?
Den üblichen Campingkocher mit Gaskartusche nicht, der gehört nach draußen. Innen gehen nur Geräte, die ausdrücklich für Innenräume zugelassen sind. Sonst droht eine lebensgefährliche Kohlenmonoxidvergiftung.
Wie lange bleibt der Kühlschrank kalt?
Geschlossen etwa vier bis sechs Stunden, ein Gefrierschrank oft bis zu 48 Stunden.
Quellen
- Bundesnetzagentur: Versorgungsunterbrechungen Strom 2024, 9. Oktober 2025. Erfasst sind ungeplante Unterbrechungen über drei Minuten, ohne höhere Gewalt.
- Senat von Berlin: Schriftliche Anfrage 19/24735, 21. Januar 2026
- Senat von Berlin: Schriftliche Anfrage 19/25035, 9. Februar 2026
- Schulze, Merkes, Zimmermann, Voss: Sehr kalt und etwas unheimlich, AKFS Report Nr. 16, 2026. Online-Befragung vom 15. bis 26. Januar 2026, 600 Teilnehmende, nicht repräsentativ.
- BBK: Vorsorge und Handeln bei Stromausfall
- BBK: Vorsorgen für Krisen und Katastrophen, Stand 10/2025, Kopie auf dortmund.de
- Verbraucherzentrale: Was tun bei Stromausfall?, Stand 19. Januar 2026
- Verbraucherzentrale Niedersachsen: Verpflegung bei Stromausfall, Stand 4. August 2026
- Land Berlin: Vorsorge und Verhalten bei Stromausfall
- t-online: So steht es um die Wasserversorgung beim Blackout, mit Angaben von BBK und Berliner Wasserbetrieben
