Kategorie: Vorsorgeordner und Bürokratie

  • Wenn du plötzlich ausfällst: Was dein Partner sofort wissen muss

    Wenn du plötzlich ausfällst: Was dein Partner sofort wissen muss

    Niemand plant den Dienstag, an dem er nicht mehr selbst ans Telefon geht. Was dein Partner in der ersten Stunde, der ersten Woche und dem ersten Monat können muss, und was ihr dafür an einem Abend klärt.

    Geprüft am 4. November 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Alle Quellen stehen am Ende des Textes.

    Kurz gesagt

    • Für einen Notfall im Krankenhaus reicht niemandem die bloße Beziehung. Verheiratete haben ein begrenztes Notvertretungsrecht, Unverheiratete gar keins.
    • Für Konto und Miete hilft auch die Ehe nicht. Dafür braucht es Vollmachten, am besten direkt bei der Bank.
    • Eine Vorsorgevollmacht kostet mit offizieller Vorlage kaum etwas und braucht in der Regel keinen Notar.
    • Oft scheitert es an etwas Banalem: Der andere weiß nicht, was es gibt und wo es liegt.
    • Eine Stunde Gespräch ersetzt keine Vollmacht, aber ohne dieses Gespräch nützt dir die Vollmacht wenig.

    Stell dir einen ganz normalen Dienstag vor. Du fährst morgens los, und um elf ruft ein Krankenhaus bei deiner Partnerin oder deinem Partner an. Das Beispiel ist ausgedacht, seine Fragen sind es nicht: Wer darf hier etwas entscheiden? Wer erfährt überhaupt etwas? Wer zahlt am Ersten die Miete, wenn du sie von Hand überweist oder dein Konto leerläuft und niemand sonst dort hineinkommt? Und wer sagt deinem Arbeitgeber Bescheid, dessen Nummer in deinem gesperrten Handy steht?

    Die meisten Menschen in Deutschland haben darauf keine Antwort, die vor einem Gericht oder einer Bank bestehen würde. In einer Allensbach-Umfrage von 2024 hatten unter den Unter-50-Jährigen nur 12 Prozent eine Vorsorgevollmacht, 14 Prozent eine Patientenverfügung und 2 Prozent alle drei Kerndokumente einschließlich Testament. Das ist verständlich, denn mit 38 fühlt sich das Thema an wie etwas für andere Leute. Nur richtet sich ein Unfall ungern nach dem Alter, und anders als beim Testament geht es hier um die Zeit, in der du lebst und bloß nicht zur Verfügung stehst.

    Wer darf was? Die Lage in vier Feldern

    Die verbreitetste Annahme lautet, dass Ehepartner oder Kinder im Notfall schon entscheiden dürfen. Die Verbraucherzentrale nennt das ausdrücklich einen Irrtum, und seit 2023 ist er nur noch teilweise einer. Damals kam das Notvertretungsrecht für Ehegatten dazu, das aber enger ist, als sein Ruf vermuten lässt.

    Ohne VorsorgeGesundheitKonto, Miete, sonstige Verträge
    Verheiratet oder eingetragene PartnerschaftNotvertretung nach § 1358 BGB, begrenzt auf höchstens sechs MonateNicht erfasst
    UnverheiratetKein Vertretungsrecht, Auskunft im Ermessen der ÄrzteKein Zugriff auf fremde Konten
    Eltern volljähriger Kinder, erwachsene Kinder, GeschwisterKein VertretungsrechtKein Vertretungsrecht

    Ein Ehegatte darf, wenn sein Partner wegen Bewusstlosigkeit oder Krankheit nicht selbst entscheiden kann, in Untersuchungen und Behandlungen einwilligen, Krankenhausverträge schließen und sich aufklären lassen. Eine Ärztin oder ein Arzt muss die Voraussetzungen schriftlich bestätigen. Nach den Hinweisen des Justizministeriums endet das spätestens sechs Monate nach dem ärztlich festgestellten Zeitpunkt, für Getrenntlebende gilt es nicht und für Lebensgefährten ausdrücklich auch nicht. Es gilt auch dann nicht, wenn bekannt ist, dass du das ablehnst oder jemand anderem eine Vollmacht gegeben hast, oder wenn schon ein Betreuer zuständig ist. Maßstab bleiben deine Wünsche und eine vorhandene Patientenverfügung. Wer die Notvertretung nicht will, kann das im Zentralen Vorsorgeregister eintragen lassen. Bei der Vermögenssorge darf der Ehegatte laut bayerischem Justizministerium ebenfalls nicht vertreten. Wer also glaubt, die Heiratsurkunde sei eine Generalvollmacht, hat sie vermutlich nicht gelesen.

    Akut musst du dir um die Behandlung selbst keine Sorgen machen. Unaufschiebbare Maßnahmen dürfen auch ohne Einwilligung erfolgen, wenn sie deinem mutmaßlichen Willen entsprechen. Niemand lässt dich in der Notaufnahme liegen, weil eine Unterschrift fehlt. Das Problem beginnt danach, bei allem, was warten kann, aber entschieden werden muss.

    Ohne Vollmacht bleibt dann oft nur die rechtliche Betreuung, die das Betreuungsgericht anordnet. Das ist ein kostenpflichtiges Verfahren mit Gutachten, in dem eben das Gericht bestimmt. Es folgt deinem Wunsch, außer die Person ist ungeeignet, und schaut sonst auf familiäre Beziehungen und persönliche Bindungen. In dringenden Fällen kann es einen vorläufigen Betreuer bestellen. Wie lange das reguläre Verfahren dauert, dazu habe ich keine belastbare Zahl gefunden, also nenne ich auch keine.

    Die erste Stunde: Auskunft und Papier

    Dein Partner muss in der ersten Stunde vor allem eins: an die Unterlagen kommen und mit den Ärzten reden dürfen. Die Schweigepflicht gilt grundsätzlich auch gegenüber Angehörigen. Ist jemand bewusstlos, gehen Ärzte laut Haftpflichtversicherer HDI in der Regel von einer mutmaßlichen Einwilligung aus, sie dürfen informieren, müssen aber nicht. Unverheiratete haben laut ERGO-Rechtsportal kein automatisches Auskunftsrecht. In der Praxis wird eine Klinik mit dem Lebensgefährten oft sprechen, aber auf „oft“ möchte man an diesem Tag nicht angewiesen sein.

    Mit einer Vorsorgevollmacht, die Gesundheitsfragen ausdrücklich umfasst, ändert sich das. Wichtig ist nur, dass dein Partner das Original vorlegen kann. Eine Vollmacht im Bankschließfach, an das nur du herankommst, ist ein gelungener Witz, aber ein schlechter Plan. Dazu gehört ein kleines Notfallkärtchen im Portemonnaie, das sagt, wen man anrufen soll und wo die Dokumente liegen. Die Verbraucherzentrale bietet eins zum Ausdrucken an.

    Für diese erste Stunde sollte dein Partner wissen: Wo liegen Vollmacht und Patientenverfügung? Welche Medikamente nimmst du, welche Allergien hast du, wer ist deine Hausarztpraxis? Und wo liegt verschlossen der Umschlag mit dem Entsperrcode deines Handys? Wenn ihr Kinder habt, kommt die Frage dazu, wer sie heute abholt, und die verträgt keinen Aufschub.

    Die erste Woche: Bescheid sagen

    Jetzt beginnt der Teil, den kein Rechtsratgeber beschreibt, weil er so banal ist. Der Arbeitgeber muss unverzüglich von der Arbeitsunfähigkeit erfahren, und die elektronische Krankschreibung ersetzt diese Meldung nicht. Dein Partner sollte also wissen, wen er anruft, und zwar mit Namen und einer Nummer, die nicht nur in deinem Handy steht.

    Habt ihr gemeinsame Kinder und seid unverheiratet, lohnt ein Blick auf die Sorge. Sind beide sorgeberechtigt, übt beim Ausfall eines Elternteils der andere die Sorge allein aus. Hat ohne Sorgeerklärung die Mutter die Sorge allein und fällt sie aus, geht sie nicht automatisch über, dann muss das Familiengericht entscheiden. Die oft empfohlene Sorgerechtsverfügung hilft hier nicht weiter, denn sie benennt einen Vormund für den Todesfall. Habt ihr eine Patchwork-Situation oder keine Sorgeerklärung, klär das früh beim Jugendamt.

    Wer ein Tier zu Hause hat, sollte daran denken, dass es von alldem nichts weiß. Das Land Baden-Württemberg rät zu einer Karte im Geldbeutel, die auf das Tier und eine Kontaktperson hinweist.

    Der erste Monat: Geld

    Beim Geld wird es ernst, denn die Miete interessiert sich nicht für deine Krankenakte. Sie bleibt geschuldet, und wer an zwei aufeinanderfolgenden Terminen mit mehr als einer Monatsmiete im Rückstand ist, riskiert die fristlose Kündigung, ebenso bei zwei Monatsmieten über längere Zeit. Daueraufträge sind deshalb Vorsorge, die nichts kostet. Ein gemeinsames Oder-Konto für die laufenden Kosten löst vieles, weil dort jeder allein verfügen kann, nur haftet dann auch jeder.

    Für alles andere braucht es eine Vollmacht, und hier gehen Recht und Praxis auseinander. Banken müssen eine wirksame Vorsorgevollmacht nach Ansicht des bayerischen Justizministeriums und mehrerer Instanzgerichte grundsätzlich anerkennen. Stiftung Warentest schreibt dagegen, dass jede Bank ihr eigenes Formular nutzt und eine umfassende Vorsorgevollmacht meist nicht akzeptiert, auch weil sie haftet, wenn sich die Vollmacht als unwirksam erweist. Du möchtest nicht derjenige sein, der das im Ernstfall vor Gericht klärt. Deshalb gilt: Geht zusammen zur Bank oder nutzt deren Verfahren, solange beide noch unterschreiben können. Von 48 Banken, die Finanztest geantwortet haben, boten 38 eine Vollmacht ab Unterschrift und über den Tod hinaus an.

    Beim Depot ist es noch dünner. Nur 10 von 19 Anbietern im Finanztip-Vergleich akzeptieren eine Vorsorgevollmacht, Trade Republic hatte im März 2026 kein eigenes Vollmachtsformular, Scalable nur eins ab Tod. Wer sein Erspartes dort liegen hat, sollte das heute prüfen, denn Anbieter ändern so etwas. Das Depot läuft ohne dich zwar weiter, nur eben unerreichbar, und das ist für die Miete ein schwacher Trost.

    Eure Passwörter teilt ihr dagegen besser nicht einfach, schon weil die Verbraucherzentrale beim Onlinebanking vor Problemen mit geteilten Zugängen warnt. Trenne deshalb zwei Dinge: Zugang zu Pflichten und Zugang zu allem. Laut Bitkom wollen 60 Prozent nicht, dass nach ihrem Tod jemand auf ihre digitalen Inhalte zugreift, und das ist auch unter Liebenden keine Schande. Dein Partner muss das Vermieterkonto finden, nicht deine Chatverläufe lesen.

    Ein Abend zu zweit: die Fragen

    Plant dafür eine Stunde ein, stellt das Handy weg und geht diese Fragen durch:

    1. Was wäre, wenn einer von uns vier Wochen ausfällt? Was bleibt dann liegen?
    2. Wer entscheidet für mich, und weiß die Person das? Wer vertritt sie, wenn sie selbst nicht kann?
    3. Welche Konten, Verträge und laufenden Zahlungen gibt es, und von welchem Konto gehen sie ab?
    4. Wen muss man anrufen, und wo steht die Nummer außerhalb des Handys?
    5. Wo liegen die Papiere, und wer kommt da heran?
    6. Was soll im Fall der Fälle niemand lesen?

    Danach bleiben drei Aufgaben, und keine davon dauert lange. Füllt die offizielle Vorlage des Justizministeriums oder das Online-Dokument der Verbraucherzentralen für eine Vorsorgevollmacht aus. Sie braucht grundsätzlich keinen Notar, muss aber bestimmte Dinge wie schwerwiegende ärztliche Maßnahmen ausdrücklich nennen, und bei Immobilien, größerem Vermögen oder Zweifeln an der Geschäftsfähigkeit ist Beurkundung oder Rat sinnvoll. Geht wegen der Vollmachten zur Bank. Und stellt die Miete auf Dauerauftrag um und klärt, wer das Konto auffüllen kann.

    Wenn du möchtest, kannst du die Vollmacht im Zentralen Vorsorgeregister eintragen lassen. Das kostet seit dem 1. Oktober 2026 online einmalig 24 Euro per Lastschrift, mit einer Vertrauensperson. Per Überweisung oder Post wird es etwas teurer. Das Register informiert deine Vertrauensperson nicht mehr selbst, du musst es ihr also sagen. Vor allem aber ersetzt es kein Gespräch.

    Der Ausfallplan für euren Haushalt

    Die Fragen von oben, zum Ausfüllen: Wer entscheidet, wen ruft man an, wo liegt was, was läuft weiter. Wenige Seiten auf Papier, damit sie auch funktionieren, wenn dein Handy es nicht tut.

    Was das nicht regelt

    Dieser Text handelt von dem Fall, dass du lebst und ausfällst. Für den Todesfall gelten andere Regeln, etwa beim Erbschein. Eine Vollmacht über den Tod hinaus kann helfen, Erben können sie aber widerrufen. Die Papiere selbst sammelst du am besten im Notfallordner, und falls der Ausfall nicht dich betrifft, sondern den Strom im ganzen Viertel, geht es bei drei Tagen ohne Strom weiter.

    Einen Fehler sollte man nicht machen: eine Vollmacht als Beziehungsbeweis zu vergeben. Laut Stiftung Warentest gibt es kaum Schutzmechanismen gegen Missbrauch. Bevollmächtige nur jemanden, dem du wirklich vertraust, und sprich bei größeren Vermögen oder komplizierten Familien mit einem Notar oder Anwalt.

    Häufige Fragen

    Darf mein Partner im Krankenhaus für mich entscheiden?

    Verheiratete in Gesundheitsfragen für höchstens sechs Monate, wenn du selbst nicht kannst und nichts dagegen spricht, etwa eine Vollmacht für jemand anderen. Unverheiratete brauchen eine Vorsorgevollmacht.

    Kommt mein Mann an mein Konto, wenn ich im Koma liege?

    Nicht über das Notvertretungsrecht. Er braucht eine Vollmacht oder Mitinhaberschaft am Konto, sonst bleibt eine rechtliche Betreuung.

    Braucht eine Vorsorgevollmacht einen Notar?

    Grundsätzlich nicht. Bei Immobiliengeschäften braucht sie mindestens eine öffentliche Beglaubigung, für Darlehensverträge und Unternehmensanteile laut Verbraucherzentrale eine Beurkundung. Die Beglaubigung bei der Betreuungsbehörde kostet in der Regel 10 Euro, wirkt aber nur bis zum Tod.

    Dieser Text ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung im Einzelfall. Regeln von Banken und Anbietern ändern sich, maßgeblich ist der aktuelle Stand.

    Quellen

    Titelbild: Foto: Alf van Beem, CC0, via Wikimedia Commons

  • Notfallordner anlegen: Was wirklich hineingehört und womit du anfängst

    Notfallordner anlegen: Was wirklich hineingehört und womit du anfängst

    Es gibt genug Listen, was in einen Notfallordner gehört. Hier steht, womit du anfängst, was in 30 Minuten erledigt ist, was einen Nachmittag braucht und wofür du einen Termin machst.

    Geprüft am 4. November 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Alle Quellen stehen am Ende des Textes.

    Kurz gesagt

    • Trenne zwei Dinge: eine dünne Griffmappe für den Akutfall und den eigentlichen Ordner für den Papierkram.
    • Stufe eins dauert 30 Minuten und kostet nichts außer einem Blatt Papier.
    • Vollmachten müssen im Einsatz im Original greifbar sein. Das entscheidet, wo sie liegen.
    • Alle Beteiligten müssen wissen, wo der Ordner steht. Ein perfekter Ordner, den niemand findet, ist Altpapier.
    • Vorlagen gibt es von Behörden und Verbraucherschützern ohne Anmeldung. Du musst keine kaufen.

    Der Notfallordner hat ein Problem, das er mit Steuererklärungen und Fahrradhelmen teilt: Alle finden ihn vernünftig, und er steht trotzdem nicht im Regal. Das liegt selten am Willen. Wer danach sucht, findet lange Listen und dicke Mappen, klappt den Laptop nach zehn Minuten wieder zu und nimmt sich vor, das in einer ruhigeren Woche zu machen. Diese Woche kommt erfahrungsgemäß nicht.

    Dazu kommt ein Missverständnis. Das Wort Notfallordner meint je nach Absender zwei verschiedene Dinge. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) denkt an Krisen und zählt Urkunden, Versicherungen und Kontoverträge auf. Die Notfallmappe der Stadt Halle denkt an den Rettungswagen und fragt nach Medikamenten, Diagnosen, Arztbriefen und Kontakten. Beide haben recht, und keine der beiden Listen deckt beides ab. Wenn um drei Uhr nachts der Rettungsdienst im Flur steht, nützt dir die Geburtsurkunde wenig, und wenn nach einem Brand die Versicherung anruft, hilft die Medikamentenliste nicht. Deshalb bauen wir das Ganze in Stufen auf.

    Stufe eins, 30 Minuten: die Griffmappe

    Nimm eine einfache Klarsichthülle und ein Blatt Papier. Handschrift genügt, das hier ist kein Wettbewerb. Auf das Blatt kommen die Dinge, die jemand braucht, der dich nicht fragen kann:

    • Name, Geburtsdatum, Adresse, Krankenkasse
    • Zwei Menschen, die man anrufen soll, mit Nummer
    • Hausarztpraxis und Fachärzte
    • Medikamente, Allergien, wichtige Diagnosen
    • Wer Kinder, Tiere oder pflegebedürftige Angehörige versorgen muss
    • Wo Vollmachten und der große Ordner liegen

    Dazu legst du Kopien von Personalausweis und Krankenkassenkarte. Das war es. Damit hast du etwas, das bei einem Stromausfall genauso funktioniert wie an einem normalen Dienstag. Denn das ist der Vorteil von Papier, den kaum jemand erwähnt: Es braucht weder Akku noch Netz. Die Nummern aller, die dir wichtig sind, stehen vermutlich nur in einem Gerät, das im Ernstfall gesperrt oder leer ist.

    Eine Notfallkarte im Portemonnaie sagt anderen, dass es diese Mappe gibt. Die Verbraucherzentrale hat eine Vorlage zum Ausdrucken, die Stadt Halle eine zum Ausschneiden.

    Stufe zwei, ein Nachmittag: der Ordner

    Jetzt kommt der eigentliche Ordner, und zwar einer, kein Regalmeter. Sammle in dieser Reihenfolge, was du ohnehin irgendwo hast, und höre auf, wenn der Nachmittag vorbei ist. Was fehlt, ergänzt du später.

    FachWas hinein gehörtOriginal oder Kopie?
    PersonGeburts-, Heirats- und Sterbeurkunden der FamilieOriginal
    AusweisePersonalausweis, Reisepass, FührerscheinKopie
    GeldKontenübersicht, Depots, Sparbücher, laufende ZahlungenKopie oder Liste
    WohnenMietvertrag, Eigentumsunterlagen, Kontakte von Vermieter und HausverwaltungKopie
    VersicherungenPolicen, Rentenbescheide, wichtige BescheideKopie
    GesundheitImpfpass, letzte Arztbriefe, MedikamentenplanKopie
    VorsorgeVollmachten, Patientenverfügung, TestamentSiehe unten

    Bei den Vorsorgedokumenten widersprechen sich die Quellen. Das BBK schreibt „im Original oder als beglaubigte Kopie“, die Stadt Halle sieht Kopien vor, ein dpa-Text rät zu Originalen nur bei Urkunden. Der Streit löst sich, wenn man fragt, wofür das Papier da ist. Wer eine Vollmacht nutzen will, braucht laut Verbraucherzentrale das Original, im Ordner darf also eine Kopie mit dem Hinweis liegen, wo das Original ist. Das Original selbst liegt beim Bevollmächtigten oder an einem Ort, den er ohne dich erreicht. Das bayerische Justizministerium schlägt vor, mehrere Originale zu erstellen, jedes einzeln unterschrieben. Eins davon kann bei der Bank liegen, die es ohnehin sehen will.

    Für die Patientenverfügung gilt dasselbe Prinzip: eine Kopie griffbereit, und alle wissen, wo das Original liegt. Beim Testament ist es strenger, denn im Erbfall zählt das Original und muss beim Nachlassgericht abgeliefert werden. Schreib deshalb in den Ordner, wo es liegt, und kläre alles Weitere beim Notar oder Amtsgericht.

    Das Bankschließfach ist für Vollmachten keine gute Idee, und das ist keine Frage von Sicherheit. Es hat Öffnungszeiten und braucht meist selbst eine eigene Vollmacht, womit sich die Katze elegant in den Schwanz beißt.

    Mit Passwörtern ist es weniger eindeutig, als oft behauptet wird. Das BSI rät, Papierlisten verschlossen aufzubewahren und Wiederherstellungsschlüssel auszudrucken, die Verbraucherzentrale empfiehlt eine Kontenliste an einem sicheren Ort, den die Vertrauensperson kennt. Mein Rat: In den offenen Ordner gehört eine Liste, welche Konten es gibt, und der Hinweis, wo das Hauptpasswort deines Passwort-Managers verschlossen liegt. Die Passwörter selbst haben im Regal neben der Steuerakte nichts zu suchen.

    Stufe drei, ein Abend und vielleicht ein Termin: die Dokumente, die wirklich wirken

    Bisher hast du nur geordnet. Rechtlich geändert hat sich dadurch nichts, denn eine Liste gibt deinem Partner keine Befugnis. Dafür sorgen drei Dokumente, die oft verwechselt werden.

    Die Vorsorgevollmacht benennt eine Vertrauensperson, die für dich handelt. Die Betreuungsverfügung sagt dem Gericht, wen du dir als Betreuer wünschst, wenn es doch eine Betreuung braucht. Die Patientenverfügung legt fest, welche Behandlungen du in bestimmten Situationen willst oder nicht. Was das im Alltag bedeutet, und warum die Ehe weniger regelt, als die meisten glauben, steht im Text Wenn du plötzlich ausfällst.

    Du brauchst dafür in der Regel keinen Notar. Das Justizministerium stellt Formulare bereit, die Verbraucherzentralen ein Online-Werkzeug. Eine Beglaubigung bei der Betreuungsbehörde kostet in der Regel 10 Euro und hilft, die Unterschrift außer Zweifel zu stellen, ihre Wirkung endet aber mit dem Tod. Bei Immobilien, größerem Vermögen oder Zweifeln an der Geschäftsfähigkeit lohnt sich der Termin beim Notar. Bei der Patientenverfügung empfiehlt das Ministerium ärztliche oder fachkundige Beratung, denn Sätze wie „keine lebenserhaltenden Maßnahmen“ reichen laut Bundesgerichtshof allein nicht aus. Sie muss konkrete Maßnahmen oder Situationen benennen. Übernimm hier keine Formulierung ungeprüft, auch nicht von dieser Seite.

    Wer möchte, trägt die Dokumente zusätzlich im Zentralen Vorsorgeregister ein. Das ersetzt aber das Original nicht, und laut Register sind Ärzte nicht verpflichtet nachzusehen.

    Wo der Ordner stehen soll

    Am wichtigsten ist eine Regel des BBK: Alle Beteiligten müssen den Ort kennen. Das klingt selbstverständlich und scheitert erstaunlich oft daran, dass nur eine Person im Haushalt den Papierkram macht. Ein feuer- oder wasserfester Behälter ist eine gute Idee, wie Hamburg empfiehlt, aber keine Bedingung für den Anfang. Eine Kopie der wichtigsten Seiten bei einer Vertrauensperson schützt dich außerdem vor dem Fall, in dem die Wohnung selbst das Problem ist.

    Einmal im Jahr hinzusehen reicht. Das Gesetz schreibt nichts vor, die Empfehlungen reichen von jährlich (Justizministerium, zur Patientenverfügung) über alle zwei Jahre (Finanztip) bis etwa alle drei Jahre (Verbraucherzentrale). Häng es an ein Datum, das du nicht vergisst, und sieh nach, ob Nummern, Medikamente und Verträge noch stimmen. Das dauert 20 Minuten. Nach Umzug, Trennung, Geburt oder neuer Diagnose ist ein zusätzlicher Blick fällig.

    Wenn es um deine Eltern geht

    Manche suchen, weil sie gemerkt haben, dass bei den Eltern nichts geregelt ist. Dann ist der schwierigste Teil nicht das Papier. Fang mit dem Blatt aus Stufe eins an, denn das bedroht niemanden, und frag nach Ärzten und Medikamenten, bevor du nach Geld fragst. Kinder können ihre Eltern ohne Vollmacht nicht vertreten, das ist ein sachlicher Anlass, über den man besser reden kann als über den Tod. Am ehesten klappt es, wenn du deinen eigenen Ordner zuerst machst und davon erzählst.

    Welche Vorlage du nehmen solltest

    Du musst nichts kaufen. Für Dokumente gibt es Quellen ohne Anmeldung, etwa die Notfallmappe der Stadt Halle, die Vorsorgeunterlagen des Kreises Südliche Weinstraße oder die Muster beim kommerziellen Anbieter fallswaspassiert.de. Das Vorsorge-Handbuch der Verbraucherzentrale kostet 16 Euro und geht deutlich tiefer. Frag außerdem bei deiner Stadt nach, manche Kommunen geben eigene Mappen aus.

    Eine Vorlage ersetzt nur nicht die Entscheidungen. Sie sagt dir, wo du den Namen einträgst, aber nicht, wer das sein soll. Genau dafür ist der Ausfallplan gedacht.

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    Griffmappe, Absprachen, Treffpunkte und Stromausfall auf acht Seiten zum Ausfüllen. Für alle, die es einmal erledigt haben wollen.

    Häufige Fragen

    Was gehört in einen Notfallordner?

    Persönliche Urkunden, Kopien der Ausweise, Konten und Verträge, Versicherungen, Gesundheitsunterlagen, Kontakte sowie Vollmachten oder Hinweise darauf. Für den Akutfall gehört das Wichtigste zusätzlich in eine dünne Griffmappe.

    Gehört die Vorsorgevollmacht im Original in den Ordner?

    Nur wenn dein Bevollmächtigter jederzeit an den Ordner kommt. Er braucht das Original im Einsatz. Sonst liegt im Ordner eine Kopie mit dem Hinweis, wo das Original ist.

    Wie oft muss ich den Notfallordner aktualisieren?

    Gesetzlich nie. Sinnvoll ist ein kurzer Blick einmal im Jahr und immer nach größeren Veränderungen.

    Dieser Text ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung im Einzelfall.

    Quellen

    Titelbild: Foto: Tangopaso, gemeinfrei, via Wikimedia Commons